Spaziergänge: Thematischer Proviant

Liebe Raumfahrer:innen des Geistes,

das Wort Bürde transportiert etymologisch die Bedeutungen tragen und bringen und ist damit mit dem Wort "gebären" verwandt. Sind die Belasteten, denen etwas aufgebürdet wurde, gebärfreudig? Oder ist der Mensch im Einladungsgrafik21. Jahrhundert – zumindest in der liberalen westlichen Gesellschaft – durch das erfolgreiche technische Erleichterungsprogramm bereit zum Antinatalismus, weil die künstliche Intelligenz Belastungen wegzaubert und tolle Möglichkeiten auch ohne unsere Schweißperlen auf die Welt bringt?

Gibt es überhaupt noch einen Weg? Sind wir irgendwohin unterwegs? Das Unterwegssein ist schließlich die Voraussetzung dafür, dass wir, mit unhandlichem und schwerem Gepäck beladen, stecken bleiben können. Selbst auf dem spiegelglatten Flughafengelände kann sich ein Rollkoffer bei Sitzbänken, Automatiktüren oder Regaldisplays verhaken, wenn wir zum Abflugterminal unterwegs sind. Erleichterung stellt sich erst überden Wolken ein, wenn das Anschnallzeichen erloschen ist und das freundliche Bordpersonal die gewünschten Speisen und Getränke serviert. Vorausgesetzt, wir geraten nicht in Turbulenzen wirrer luftiger Materieteilchen, melden sich Sorgen und Befürchtungen oft erst wieder, wenn uns das Flugzeug im Landeanflug zur Welt bringt.

Schon der Wunsch, am Leben zu bleiben, ist eine Bürde und erzeugt Erdenschwere. Der Selbsterhaltungstrieb bindet uns an die materielle Welt, in der wir atmen, trinken, essen und allerlei Gefahren auf der Fahrt durch das Leben meistern müssen. Es scheint, als gelänge die vollständige Entfernung der Bürde des Lebens erst mit Auflösung der Verstrickung mit der Materie durch den „großen Loslöser“; den Tod. Doch selbst die liberalste Sterbehilfegesetzgebung führt nicht dazu, dass die Menschen massenweise eilig Richtung Ausgang streben. Wenn das Leben eine Bürde ist und jeder irgendetwas herumschleppen muss, und sei es auch nur seine nackte Existenz, gibt es offensichtlich auch etwas, das diese Last leichter macht. Irgendwas, das die Lastenträger beflügelt oder benebelt; die Hoffnung auf Linderung oder Triumph vielleicht, ein wonneartiger Geschmack, ein betörender Geruch, die Betrachtung eines Himmels voller Geigen und das Hören ihrer Musik, oder die Verzückung durch eine Berührung.

Wir müssen uns bei den philosophischen Spaziergängen am So, 12. April unbedingt über das Wesen der Bürde unterhalten.

Wir – Vorkenntnisse als Mensch und eine Prise Strebeethik qualifizieren zur Teilnahme – starten um 10:00 Uhr am Gemeindeweg 57, 3422 St. Andrä-Wördern und um 16:00 Uhr in der CoHousing-Siedlung Lebensraum, Tannengasse 1 in 2230 Gänserndorf vor Top 7. Eine formlose Anmeldung per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder eine Messenger Nachricht unter 0680 5010 334 ist für den Termin um 10:00 Uhr notwendig, für jenen um 16:00 Uhr aufgrund der beschränkten Teilnehmerzahl ratsam (max. 7).

Freundliche Grüße

Reinhard Krenn

 


Das Protokoll des letzten Spaziergangs steht als Podcast hier zur Verfügung. Empfangsbereite Ohren finden noch mehr auf Spotify, Apple, Amazon oder Youtube

Der thematische Proviant für die nächsten philosophischen Spaziergänge am So, 3. Mai 2026 ist noch nicht gepackt, wird aber rechtzeitig rund zwei Wochen vor dem Termin mitgeteilt - hier geht es zur Newsletteranmeldung.

Mehr Tiefe