Intensivstation der Ideen

Hier liegen Ideen meiner Philosophischen Praxis in Agonie, weil sie nicht und nicht vom Fleck kommen. Irgendetwas lähmt sie. Vielleicht ist ihre Zeit noch nicht gekommen, sie sind möglicherweise unausgegoren, oder überhaupt nur Windeier. Jedenfalls kommen sie nicht in Resonanz mit den Menschen. Daher liegen sie auf dieser Intensivstation und sollen tüchtig untersucht werden. Vielleicht stellt jemand die richtige Diagnose, weiß Rat und macht einen Behandlungsvorschlag. Folgende leidende Ideen sind zur Zeit hier versammelt:

 


2021-04-16
Lebensraum Openup

Die Idee wurde Anfang des Jahres 2021 geboren. Es geht um Dialektik, also jene Schaukelbewegung, die vom Lockdown zum Openup oszilliert. Österreich zählt im Alpinski und bei den Lockdowntagen zu den Sieganwärtern. Was den Lockdown betrifft ist jedoch die Freude am geselligen Beisammensein den Menschen angeboren:

Ich erwähne die talmudische Erzählung Choni ha Ma'agal, dem Zirkelzeichner, der nach 70 Jahren eines magischen Schlafes erwacht, niemanden, den er gekannt hatte, mehr vorfand, und in Verzweiflung starb. Auf ihn wurde das Wort gesagt ... entweder Gemeinschaft (Freundschaft, Zugehörigkeit) oder Tod" ... Er sagt: "Mein Leben hat keine Bedeutung, wenn ich nicht in Beziehung mit Menschen stehe." Léon Wurmser

Und so ist die Vorfreude auf ein Openup hier in der Cohousingsiedlung Lebensraum - zumindest bei mir - ziemlich groß geworden. Weil ich gemeinsam mit anderen NachbarInnen im Sommer 2020 einen Barbetrieb unter der der Schirmherrschaft Arthur Schopenhauers mit dem Titel "Arthurs Bar - der Abend als Durst und Berauschung" organisiert habe (in Anlehnung an sein Hauptwerk "Die Welt als Wille und Vorstellung"), wollte ich gerne das Openup-Fest Epikur widmen. Epikur sollte eigentlich der Schutzpatron für Gemeinschaftsprojekte sein, denn er lebte bereits im antiken Griechenland mit Menschen aller Gesellschaftsschichten auf einem Gartengrundstück in einem Gemeinschaftsprojekt. Und so stellte ich am 21.3.2021 eine transparente Spendenbox mit rund 100€ Startkapital und einer Skala auf:Epikurs Openup

Jede Woche kommt ein Feature hinzu (zumeist ein Zitat von Epikur oder Lukrez), um die Vorfreude der NachbarInnen anzustacheln und ihre Geldbörse zu lockern. Allein, die Geldmenge in der Box steigert sich, wenn überhaupt, nur in homöopathischen Dosen.

Ich mache mir um die mit Bandagen der Angst gefesselten Menschen ernsthaft Sorgen, weil eine übermächtige Angst die Freiheit zersetzt und die Hoffnung erstickt, und habe die Idee hier auf die Intensivstation gebracht. Vielleicht ist das etwas hypochondrisch und voreilig, aber ich bin für jeden Rat dankbar.

Mittlerweile, es ist Anfang Juni 2021, habe ich schon viele Features hinzugefügt, u.a. auch ein beachtliches Promotionsvideo.

Leider liegt die Idee im Koma, seit sie von Schafen niedergetrampelt wurde. Informationen über die genaueren Hintergründe gibt es hier.

Wenn sie eine Idee haben, wie ein Gemeinschaftsfest im Andenken an Epikur und der Freude am Openup doch noch stattfinden kann, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 


2020-12-31
Lebensarbeit

Nach einem halben Dutzend erfolglosen Versuchen das erfolgreiche AMS-Projekt "Lebensarbeit" und damit die Philosophische Praxis für arbeitssuchende Menschen im Rahmen ihrer Arbeitslosenversicherung auf Dauer verfügbar zu machen, musste die Idee hier auf die Intensivstation, obwohl sie im zweiten Halbjahr 2019 so lebendig und bemerkenswert aufblühte (vgl. Studie "Der Garten Eden der Philosophischen Praxis"). Jetzt hat sie sich in den Strukturen des AMS verheddert und die letzte Medizin, in Form eines Schreibens an ein AMS-Verwaltungsratmitglied, blieb wirkungslos:

Brief an AMS Verwaltungratsmitglied

Momentan weiß ich nicht mehr weiter und guter Rat ist teuer. Haben sie einen? Dann Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 


2020-09-14
Arthur's Bar

Arthur's BarDer Philosoph Arthur Schopenhauer hatte eine ziemlich nervige Disputierleidenschaft - eine nicht unübliche Pathologie unter PhilosophInnen. In seinen jüngeren Jahren schrieb er ein unveröffentlichtes Werk mit dem Titel "Eristische Dialektik (Technik des Diskutierens)", in dem er 38 faire und unfaire rhetorische Kunstgriffe aufzählte, um beim Disputieren zu gewinnen. Die dort versammelten Tricks werden heutzutage von KommunikationstrainerInnen und Coaches zu sündhaft teuren Preisen an ein zahlungskräftiges Publikum verkauft, oder kommen eben so nebenbei in Arthur's Bar über den Tresen.

Leider musste die Gastronomie per 14.9.2020 in Österreich wieder schließen, weshalb das wunderbare Format noch keine Zieheltern in Gestalt von BarbesitzerInnen gefunden hat und droht zu verwahrlosen.

Es wäre fein, wenn sich potentielle Pflegeeltern bei mir melden, damit wir Details der abendlichen Übergabe besprechen können.Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 


2020-09-22
Heucheleiverdachtsaufkleber

Im Zuge meiner Ausbildung zum Philosophischen Praktiker an der Universität Wien fand, in der LV "Die Gesellschaft: Philosophische Praxis als Gesellschaftskritik und im Kultur- & Kunstbereich" bei Lisz Hirn, eine Idee zu mir, für deren Umsetzung in die Praxis mir aber das Netzwerk und die Ressourcen fehlen.

Heucheleiverdachtsaufkleber können auf verdächtige Werbeplakate im öffentlichen Raum geklebt werden, sofern diese gewöhnlichen Konsumprodukten auratischen Kult verleihen wollen, oder Gemeinwohlsinn heucheln. Die Aufkleber fungieren im besten Fall wie Weckrufe an den Verstand der vorüberziehenden Menschen, der dann kritisch zu prüfen beginnt.

Werbesujets mit Heucheleiverdachtsaufleber

Im Rahmen der Lehrveranstaltung im Dezember 2019 habe ich die Idee im Kommilitonensample ausprobiert: sie konnten den Heucheleiverdachtsaufkleber auf einen von vier präsentierten Werbesujets aufkleben, mussten aber ihre Entscheidungsgrundlagen dafür angeben. Das Feedback ermutigte mich die Idee weiter zu verfolgen.

Ich bin also auf der Suche nach Menschen, die an der Umsetzung dieser Idee Interesse und auch die Kompetenz dafür haben. Kompetenz, in dem Sinne, als ich mir vorstelle, dass es eine Rechtsschutzversicherung braucht, sollte jemand wegen Anbringens eines Heucheleiverdachtsaufklebers auf ein Werbeplakat juristisch belangt werden. Selbstverständlich sind auch graphische Fähigkeiten und Medienkompetenz gefragt, damit die Aufkleber unter das Volk gebracht werden (ggf. gegen Bezahlung, wegen der Rechtsschutzversicherung, aber auch weil Widerstand nicht gratis zu haben ist). Und in einem weiteren Sinne kompetent, als es noch ein Konzept für die Umsetzung des Heucheleiverdachtsaufklebers bei elektronischer Werbung braucht.

Bislang habe ich keine solchen einen Kompetenten Menschen gefunden, die sich mit mir gemeinsam um die Aufzucht dieser Idee kümmern wollen.

Sollte sie die Umsetzung dieser Idee interessieren, oder auch wenn sie jemand kennen, der es ist und über die o.g. die Kompetenzen verfügt, freue ich mich über ihre Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


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